Mehr als man tun muss
Interview Felix Riegel – 12. Dezember 2022

Das Lie­fer­ket­ten­sorg­falts­pflich­ten­gesetz gibt einen Rahmen zum Schutz von Men­schen und Umwelt entlang der Lie­fer­kette vor. Noch grund­le­gender, weil auch das gesamte Unter­nehmen unter Nach­hal­tig­keits­aspekten betrachtend, ist der Manage­ment­standard We Care. Soziales Enga­gement in der Lie­fer­kette ist keine zwin­gende Vor­aus­setzung für die Zer­ti­fi­zierung, doch gerade bei Bio-Unter­nehmen häufig vor­zu­finden. Wie weit dieses Enga­gement gehen kann, zeigt Riegel Bio­weine. Mit dem Geschäfts­führer Felix Riegel sprachen wir über Her­zens­pro­jekte in Süd­afrika.

Herr Riegel, vor wenigen Tagen wurde Riegel Bio­weine mit dem Umwelt­preis Baden-Würt­temberg aus­ge­zeichnet. Ist damit auch Ihr Enga­gement in der Lie­fer­kette gewürdigt worden?

Felix Riegel: Wir freuen uns sehr über diesen Preis, denn damit werden unsere Ideen und Ansätze für eine nach­haltig wirt­schaft­liche Ent­wicklung aner­kannt. Tat­sache ist: Riegel Bio­weine wäre ohne seine Winzer und Partner in vielen Ländern nicht denkbar, insofern wurde mit dem Umwelt­preis auch unser Lie­fer­ket­ten­en­ga­gement gewürdigt.

Was ist das Besondere bei Ihren Lie­fer­ketten?

Felix Riegel: Wir arbeiten mit unseren Winzern und anderen Partnern in vielen Ländern seit Jahren sehr eng zusammen, also auch schon lange vor unserer We-Care-Zer­ti­fi­zierung. Vieles geschieht nach wie vor auf Ver­trau­ens­basis, auch wenn natürlich durch We Care die Pro­zesse in allen Ländern ver­schrift­licht und ver­ein­heit­licht wurden. Ent­scheidend für unsere Arbeit ist und bleibt jedoch der sehr per­sön­liche und immer indi­vi­duelle Kontakt zu unseren Winzern.

Weshalb betonen Sie das?

Felix Riegel: Weil ich davon über­zeugt bin, dass man soziale oder öko­lo­gische Bedin­gungen in anderen Ländern nicht einfach am Schreib­tisch ver­bessern kann. Faire Geschäfts­be­zie­hungen lassen sich nur durch direkte Zusam­men­arbeit, die von Respekt und Handeln auf Augenhöhe gekenn­zeichnet ist, bewirken. Aus dieser Haltung heraus hat auch mein Vater mit Freunden und einigen Mit­ar­beitern vor über zehn Jahren Good Grapes for a Better Live gegründet. Über diesen Verein koor­di­nieren wir zahl­reiche soziale Pro­jekte in Süd­afrika. Mit dem Verkauf von fair gehan­delten Bio­weinen und der Unter­stützung von Riegel Bio­weine, Kunden und Pri­vat­leuten konnte unser ein­ge­tra­gener, gemein­nüt­ziger För­der­verein bisher etwa 600.000 € an Spen­den­geldern sammeln.

Wie genau ist es dazu gekommen?

Felix Riegel: Das Weingut Stellar Organics in Süd­afrika ist seit 2003 unser Partner, und weltweit das erste bio­zer­ti­fi­zierte Weingut, das sich für den fairen Handel ent­schieden hat. Inzwi­schen ist das Weingut auch führend in der Her­stellung von Weinen ohne Schwe­fel­zusatz. Was uns bei Willem Roussouw, dem Geschäfts­führer von Stellar Organics, und seiner Frau Liezel besonders über­zeugt, ist deren Haltung. Sie treten dafür ein, dass in Süd­afrika benach­tei­ligte Bevöl­ke­rungs­gruppen ein Recht auf mehr Teilhabe bekommen. So sind bei ihnen die Mit­ar­beiter keine Tage­löhner wie im süd­afri­ka­ni­schen Weinbau üblich, sondern fest­an­ge­stellte Mit­ar­beiter. Das sind Ansätze, die mich über­zeugen. Im Laufe der Zeit ist aus dem Handel mit fairem Wein dieses Weinguts längst eine Freund­schaft geworden.

Und die anderen Pro­jekte?

Felix Riegel: Die inter­na­tio­nalen Regeln des fairen Handels legen fest, dass vom erwirt­schaf­teten Umsatz des Weinguts ein defi­nierter Teil in den Auf­schwung und den Wandel der lokalen Gemein­schaft fließen. So sind weitere soziale und öko­lo­gische Pro­jekte ent­standen, zum Bei­spiel Stellar Primary Healthcare zur gesund­heit­lichen Ver­sorgung der Men­schen, ein Fuß­ball­platz, eine Schule oder ein Bus­projekt. Weil die Zahl der Pro­jekte immer weiter stieg, haben wir den Verein Good Grapes for a Better Live gegründet, der die Koor­di­nation aller Initia­tiven bzw. die Ver­teilung der Spen­den­gelder über­nimmt. Wir sammeln auch von Deutschland aus Spenden, jeder Euro kommt ohne Ver­wal­tungs­kos­ten­abzug direkt den Pro­jekten zugute. Und wenn wir einmal pro Jahr nach Süd­afrika reisen, dann tragen wir diese Kosten selbst.

Könnte Ihr Ansatz für andere Unter­nehmen vor­bildlich sein?

Felix Riegel: Ehrlich gesagt, nein, denn unser „Ansatz“ ist das Ergebnis von sehr per­sön­lichen Kon­takten und dem Enga­gement vieler Men­schen. Das kann man nicht eins zu eins auf andere Unter­nehmen über­tragen. Ich unter­streiche gerne nochmal: Die Grundlage jeg­licher Ver­bes­serung vor Ort ist eine Haltung auf Augenhöhe und ein ernst­haftes, intrinsi­sches Interesse am Gegenüber. Wer so denkt und handelt, wird ver­mutlich irgendwann mehr tun, als getan werden muss.

Das Gespräch führte Volker Laen­gen­felder.

Felix Riegel (39) leitet Riegel Bio­weine seit 2021 in zweiter Generation. Das 1985 gegründete Fami­li­en­un­ter­nehmen mit Sitz in Orsingen am Bodensee ist ein Importeur und Groß­händler öko­lo­gi­scher Weine und zählt zu den füh­renden Unter­nehmen der Wein­branche in Deutschland. Rund 100 Mit­ar­bei­tende betreuen und ver­markten mehr als 1.000 Weine aus aller Welt von über 200 Winzern.