Green Claims: Ände­rungen auch für die Bio-Kom­­mu­­ni­­kation

19. März 2024

Die Kom­mu­ni­kation mit umwelt­be­zo­genen Aus­sagen steht durch die Green Claims Directive auf dem Prüf­stand. Auch die Bio-Branche muss künftig prä­ziser mit ihrer Kom­mu­ni­kation umgehen. Wir fassen hier den Vortrag des FiBL „Was darf die Bio-Branche noch sagen?“ auf der dies­jäh­rigen BioFach zusammen.

Das bereits von der EU ver­ab­schiedete Green­wa­shing-Verbot soll, wenn es nach dem Willen von EU-Kom­mission und ‑Par­lament geht, noch um die Green Claims Directive, also der Richt­linie über umwelt­be­zogene Aus­sagen, und die Ände­rungen zur Richt­linie über unlautere Geschäfts­prak­tiken, kurz Ände­rungs­richt­linie ergänzt werden.  Künftig müssen Unter­nehmen – aus­ge­nommen sind Kleinst­un­ter­nehmen – Nach­weise und Infor­ma­tionen vor­legen, um ihre umwelt­be­zo­genen Mar­ke­ting­aus­sagen zu recht­fer­tigen. Solche Aus­sagen sollen innerhalb eines Monats von akkre­di­tierten Prüfern bewertet und frei­ge­geben werden. Hier­durch sollen Ver­brau­che­rinnen und Ver­braucher beim Treffen umwelt­freund­licher Kauf­ent­schei­dungen unter­stützt werden, gleich­zeitig soll irre­füh­renden Umwelt­aus­sagen und intrans­pa­renten Nach­hal­tig­keits­siegeln ein Riegel vor­ge­schoben werden.

Vor diesem Hin­ter­grund wurde die Ände­rungs-Richt­linie u. a. um fol­gende Punkte erweitert:

  • Es dürfen keine Nach­hal­tig­keits­siegel am Produkt ange­bracht werden, die nicht auf einem Zer­ti­fi­zie­rungs­system beruhen oder von staat­lichen Stellen fest­ge­setzt wurden.
  • Es dürfen keine all­ge­meinen Umwelt­aus­sagen getroffen werden, wenn man die aner­kannte her­vor­ra­gende Umwelt­leistung, auf die sich die Aussage bezieht, nicht nach­weisen kann.
  • Es dürfen keine Umwelt­aus­sagen zum gesamten Produkt getroffen werden, wenn sie sich nur auf einen bestimmten Aspekt des Pro­duktes beziehen.
  • Von solchen Ein­schrän­kungen dürften vor allem kon­ven­tio­nelle Unter­nehmen betroffen sein, denn sie stellen das Gros der Unter­nehmen dar. So stellt die EU-Kom­mission fest, dass 53 Prozent aller Green Claims vage, irre­füh­rende oder unbe­gründete Infor­ma­tionen ent­halten. Doch auch die Bio-Branche wird sich auf eine ver­än­derte Kom­mu­ni­kation ein­stellen müssen, zumal die Ände­rungs-Richt­linie auch die EU-Bio-Ver­ordnung betrifft. Demnach dürfen Umwelt­aus­sagen wie zum Bei­spiel „umwelt­freundlich“, „was­ser­sparend“, „CO2-neutral“, „bio­lo­gisch abbaubar“ nicht mehr getroffen werden.

Zulässig sind wei­terhin Aus­sagen zu posi­tiven Aus­wir­kungen der bio­lo­gi­schen Land­wirt­schaft wie bei­spiels­weise „Kli­ma­schutz durch öko­lo­gi­schen Landbau“, „Sau­be­reres Grund­wasser durch nitratarme Pro­duktion“, „Fruchtbare Böden (oder Arten­schutz oder Tierwohl) durch öko­lo­gische Land­wirt­schaft“. Auch erlaubt sind z.B. Umwelt­aus­sagen wie „Art­ge­rechte (oder öko­lo­gische oder kli­ma­neu­trale) Tier­haltung“, „Umwelt­freund­liche Ver­pa­ckung“, „Mine­ral­öl­freie Druck­farben“, „Res­sour­cen­schonend“.

Für die Bio-Branche, die seit Jahr­zehnten die ori­gi­nären Vor­teile des bio­lo­gi­schen Landbaus zum Teil mit ver­all­ge­mei­nernden Aus­sagen her­vorhebt und sich so gegenüber dem kon­ven­tio­nellen Anbau abgrenzt, bedeuten die Ände­rungen aus der EU eine Neu­jus­tierung, min­destens jedoch eine sehr viel bewusstere und genauere For­mu­lierung ihrer Leis­tungen.

We-Care-Siegel schafft Kom­mu­ni­ka­ti­ons­si­cherheit

In dieser Gemengelage kommt Gewähr­leis­tungs­marken eine besondere Rolle zu, denn sie können auch umwelt­be­zogene Eigen­schaften garan­tieren. Da das We-Care-Siegel als Gewähr­leis­tungs­marke sowohl eine staat­liche Über­prüfung durch die Aner­kennung des Euro­päi­schen Patent­amtes über die Mar­ken­satzung als auch ein neu­trales Kon­troll­system durch aner­kannte Kon­troll­stellen hat, und darüber hinaus derzeit noch die DaKKS-Akkre­di­tierung (Deutsche Akkre­di­tie­rungs­stelle) durch­läuft, ent­spricht das We-Care-Siegel allen Anfor­de­rungen der beiden Richt­linien und kann in der Kom­mu­ni­kation ver­wendet werden. Das We-Care-Siegel signa­li­siert somit: Wo nach­haltig drauf­steht, ist auch nach­haltig drin.

Wie es wei­tergeht

Nachdem das EU-Par­lament und der Rat das Verbot von Green­wa­shing bereits bewilligt haben, soll nun in Ergänzung die Green Claims Richt­linie folgen. Für die finale Bestä­tigung beginnen im nächsten Schritt die soge­nannten Trilog-Ver­hand­lungen zwi­schen Par­lament, Kom­mission und Rat. Diese sollen gleich nach den Euro­pa­wahlen im Juni 2024 geführt werden.