ReformKontor, der Handelsbetrieb der Reformhaus eG, ist das jüngste Mitglied der We-Care-Community. Mit dem Geschäftsführer Carsten Greve sprechen wir über Lieferketten, EmpCo konformes Kommunizieren und was die Bio-Branche mit der Reformhausbewegung zu tun hat.
Herr Greve, warum hat sich ReformKontor für We Care entschieden?
Carsten Greve: Aus zwei Gründen passt We Care sehr gut zu ReformKontor. Zum einen haben auch wir einen starken Fokus auf die Lieferkette, denn wir importieren die Rohwaren für praktisch alle unsere Produkte direkt aus den Ursprungsländern. Zum anderen wollen wir Nachhaltigkeit noch stärker in unser Unternehmen integrieren als wir es ohnehin schon tun. Auch dabei unterstützt uns dieser Management-Standard.
Was bedeutet das konkret?
Carsten Greve: Da muss ich etwas ausholen. Der Unternehmensclaim von ReformKontor lautet „Wir leben Qualität“. Dieser Anspruch geht auf die Grundidee des Reformhauses zurück und wurde bereits vor 140 Jahren mit der Eröffnung des ersten Reformhauses definiert: natürliche, unverarbeitete Produkte in höchster Qualität. Um diese Maxime zu erfüllen, müssen wir unsere Produkte in jeder Hinsicht sehr gut kennen. Eine wirtschaftlich und logistisch funktionierende Lieferkette alleine reicht dafür nicht aus. Wir wollen vielmehr den Ursprung unserer Produkte auch in sozialer und ökologischer Hinsicht möglichst gut kennen. Aus diesem Selbstverständnis heraus haben wir sehr gute Beziehungen zu unseren Partnern in den jeweiligen Ländern und gleichzeitig eine transparente Qualitätskultur aufgebaut. Unser Engagement für Nachhaltigkeit ist somit eine fast zwingende Folge dieses Wertesystems. Allerdings sind wir bei der Verankerung von Nachhaltigkeit noch zu zurückhaltend gewesen. Deshalb wollen wir mit Hilfe von We Care Nachhaltigkeit künftig bei uns im Unternehmen sowohl für unsere Mitarbeitenden als auch für unsere Kunden stärker institutionalisieren und so nachvollziehbar machen.
Welche Erwartungen haben Sie dabei an We Care?
Carsten Greve: We Care definiert Kriterien sowohl für den Unternehmensstandort als auch für die Lieferkette. Das hilft uns Nachhaltigkeit nachweisbar auf allen Ebenen zu strukturieren, auch gegenüber unseren B2B-Partnern. Im Zuge unserer IFS-Zertifizierung vor vielen Jahren haben wir gelernt gut zu dokumentieren und haben dabei eine Kultur der Lebensmittelsicherheit aufgebaut. Diesen Weg wollen wir jetzt auch mit We Care gehen. Ein für uns wichtiger Aspekt ist, dass wir durch We Care unser ökologisches und soziales Engagement glaubwürdig und vor allem verlässlich kommunizieren können. Damit differenzieren wir uns von unserem Wettbewerb.
„Verlässlich kommunizieren“ – damit sprechen Sie die EmpCo an. Wie gehen Sie mit dieser Verordnung um?
Carsten Greve: Ich begrüße diese Initiative der EU, auch wenn dies eine weitere Anforderung an die ohnehin mit Regularien überfrachteten Unternehmen darstellt. Vor dem Hintergrund eines ausufernden Greenwashings vor allem auch im Lebensmittelmarkt macht die EmpCo jedoch Sinn. Angesichts des Inkrafttretens der EmpCo im September überprüfen auch wir derzeit unsere Nachhaltigkeitsaussagen, insbesondere auf den Verpackungen. Nach heutigem Stand müssen wir lediglich eine Handvoll unserer rund 250 Produkte in ihren Aussagen auf der Verpackung korrigieren.
Zum Abschluss: Wie viel Bio steckt in Reformkontor?
Carsten Greve: Kürzlich sagte ein befreundeter Pionier der Bio-Branche zu mir, dass es die Bio-Branche ohne die Reformhausbewegung vermutlich nicht geben würde. Ich gebe ihm uneingeschränkt Recht, denn viele der Grundgedanken der Bio-Branche hat Carl Braun bereits bei der Eröffnung des ersten Reformhauses, also Jahrzehnte vor Entstehung des biologischen Landbaus, formuliert. Beispielhaft nenne ich naturbelassene und vollwertige Lebensmittel, Verzicht auf künstliche Zusätze oder fleischarme Ernährung, und dies alles gesteuert von einem ganzheitlichen und verlässlichen Qualitäts- und Kontrollsystem. Das war vor fast 140 Jahren! Selbstverständlich haben auch wir uns seit dieser Zeit verändert und weiterentwickelt, doch der ursprüngliche Ansatz mit seinem klaren Wertesystem blieb bis heute unberührt und wird es aus meiner Sicht auch in Zukunft sein.
Das Gespräch führte Volker Laengenfelder.
Der Dipl.-Ing. und Betriebswirt Carsten Greve ist Geschäftsführer der ReformKontor GmbH & Co. KG. Das Unternehmen aus Zarrentin in Mecklenburg-Vorpommern ist der genossenschaftliche Handelsbetrieb der Reformhaus eG. Seit 1954 importiert und veredelt ReformKontor mit seinen rund 90 Mitarbeitenden vor allem Trockenfrüchte, Nüsse, Ölsaaten, Reis und Getreide zu ca. 80% in Bio-Qualität
Foto: ©Silv Malkmus
